H o n d a  C B 1 3 0 0  S u p e r F o u r

 

... Fahrbericht Honda CB 1300 NR.1

Die "Dicke" wird rausgerollt. Tolles Bild! Mächtiges Teil. Schon beim Warmlaufenlassen wird deutlich, was in dem Motor steckt.

Sonores Grummeln, dagegen hört sich der Motor einer Sevenfifty wie ein Rasenmäher an.

Nach einer kurzen Einweisung kann's dann losgehen. Beim langsamen Vom-Hof-Fahren macht sich das Gewicht schon deutlich bemerkbar,

aber das kommt auch daher, weil Kupplung und Gasannahme ungewohnt sind. Das sollte nach kurzer Zeit gut sein.
Dann auf der Landstraße beherztes Drehen rechts und - looooos. Au Backe, geht das Teil ab!

Aber erst mal locker angehen lassen, also erst mal Details klären.


Die Schaltung ist "typisch Honda". Lautes *Klack* - der Erste ist drin. Beim Hochschalten wieder *KLACK* - muss das sein?


Die "Dicke" ist erstaunlich handlich. Keine Spur von 275kg, lässt sich gut beherrschen.

Das wird auch durch die für meine Körpergröße optimale Sitzposition unterstützt. Fußrasten an der richtigen Stelle,

Knieschluss am Tank super - passt einfach!

 

Ein paar schnelle Kurven und schon ist das Ziel erreicht. Hm, ging ja schnell, jetzt wieder zurück.

Langsames Kurvenfahren beim Wenden geht überraschend gut.
Ach ja, was ungewohnt ist, ich habe keinen Lichtschalter gefunden. Licht scheint immer "ON" zu sein.

Dafür verbirgt sich an der gewohnten Stelle der Schalter für die Warnblinkanlage. Auch nicht schlecht.
Den Rest der Fahrt verbringe ich mit Beschleunigungs-Orgien. Mit vehementem Vortrieb drückt das Teil ohne Loch und ohne "Boost" gnadenlos an.

Mit einem Wort: GEIL!


Der Tacho geht nur bis 180. Die Vorführmaschine ist ohne den in Japan vorgeschriebenen "SpeedCutter", also mal sehen, was so geht.

Und wie sie geht! Die Nadel dreht zügig auf die 180 zu, kurz danach bleibt sie am Poller stehen und die Kiste beschleunigt immer noch ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Na gut, Ortsschild in Sicht, schnell wieder den Anker geworfen. Die Bremsen packen brutal zu, sind aber gut zu dosieren.
 
Einen Nachteil bei der CB1300 sollte man natürlich nicht aus den Augen verlieren: Die "Dicke" wird als Direktimport NICHT von Honda-Deutschland vertrieben, ist also eine "Graue" und unterliegt damit nicht den Garantiebestimmungen von Honda-Deutschland. Man ist also auf den jeweiligen Händler, oder die Händlergemeinschaft, die die "Grauen" importieren, angewiesen. Wie die Ersatzteilsituation aussieht, weiß ich auch nicht so ganz, aber z.B. die X4 ist ja schon recht stark verbreitet, die Händler stellen sich also auch auf ev. Ersatzteilbedarf ein. Ich bin da optimistisch.

 

... Fahrbericht Honda CB 1300 Nr.2 :

 

Bereits im Stand beeindruckt die CB 1300 durch ihr imposantes Äußeres. Dabei wirk sie trotz ihrer stattlichen Abmessungen und ihres nicht gerade geringen Kampfgewichtes von 273 Kilogramm (voll getankt) (Leergewicht 249 Kilogramm) durchaus harmonisch dynamisch. Und diese Dynamik ist keineswegs nur optischer Natur.

Ist der Honda im Stand ihr Leergewicht durchaus noch anzumerken, ändert sich dies schlagartig, wenn sie sich erst einmal in Bewegung gesetzt hat. Hat man sich etwas an die große Honda gewöhnt, ist es erstaunlich, wie leicht sie sich handeln lässt.

Kein Vergleich zu den Big-Bikes der 80er Jahre. Hier wird deutlich, welche Fortschritte die Entwicklung der Fahrwerke in den letzten 10 Jahren gemacht hat. Natürlich ist sie nicht mit einer supersportlichen 600er zu vergleichen, aber mit ein wenig Nachdruck lässt sich die CB 1300 ohne Anstrengungen von einer in die nächste Kurve legen.

Ein kurzer Zug am Lenker reicht aus und die CB lenkt ein. Dabei besticht sie mit einer Zielgenauigkeit und einer Kurvenstabilität, wie man sie sonst nur von reinen Supersportlern gewöhnt ist. Wer es mag, seinen Körper in Kurven ein wenig einzusetzen und das Hinterteil ala Mamola seitlich von der Sitzbank zu schieben, für den ist die CB 1300 mit ihrem Superbike-Feeling gerade richtig.

Aber auch auf längeren Strecken vermag die Honda zu überzeugen. Dank der bequemen Sitzposition, der gut gepolsterten, wohl dimensionierten Sitzbank und dem großen Abstand zu den Fußrasten weist sie durchaus Reisequalitäten auf.

Eine mehr als moderate Sitzposition für die Sozia (oder den Sozius?) unterstreichen die Tourentauglichkeit der 1300er. Lediglich der Abstand zu den Soziusfußrasten hätte ein wenig größer ausfallen dürfen. Der 21 Liter fassende Tank und ein Verbrauch von etwa 8 Litern auf 100 Kilometer bei mäßig verhaltener Fahrweise lassen immerhin eine Non-Stop-Strecke von 250 Kilometern zu.

Bei schärferer Gangart kann der Verbrauch aber auch über 8 Liter hinaus getrieben werden. Wem der Verbrauch etwas hoch erscheint, dem sei gesagt, daß wir hier immerhin von einer 1300 er sprechen und hubraumstarke Motoren nun einmal Futter verlangen. Jedenfalls liegt der Verbrauch der CB 1300 durchaus im Rahmen vergleichbarer Bikes. Unterstützt wird die Fahrdynamik der großen Honda durch die gelungene Fahrwerksabstimmung.

Insbesondere die hinteren Federbeine von Showa vermögen sowohl in Sachen Ansprechverhalten, Dämpfung und Komfort vollends zu überzeugen. Zwar stützen zwei Federbeine die Hinterradschwinge ab, aber sie tun dies nicht in konventioneller Weise, sondern über jeweils ein aufwendiges Hebelwerk, welche für eine progressiv ansprechende Dämpfung sorgen. Fahrer, die eine sportliche Gangart bevorzugen (ich muss gestehen, dieses zu tun) wünschen sich eventuell bei starken Bremsvorgängen Eingangs einer Kurve eine etwas andere Abstimmung der konventionellen Telegabel.

Auch der Geradeauslauf der Honda gibt bis hin zur Höchstgeschwindigkeit von 228 km/h keinerlei Anlass zu Kritik. Jenseits der 190er Marke wird der Vortrieb jäh vom Speed Limiter beendet, obwohl man dem Motor deutlich anmerkt, dass er erheblich mehr "drin hat". Gegen geringen Aufpreis lässt sich dieses "hemmende" Teil aber auch entfernen.

Allerdings auch dann dürften Geschwindigkeiten von über 200 km/h nur kurzzeitig "ausprobiert" werden - nein nicht, weil der Motor dies nicht aushält, sondern weil die Halsmuskulatur des Fahrers nach einigen Kilometern Vollgas um Entlastung bittet. Dass ein Naked-Bike über keinen Windschutz verfügt, liegt ja auf der Hand. Wer aber über eine einigermaßen trainierte Hals- und Armmuskulatur verfügt, für den ist eine Dauergeschwindigkeit von 160 km/h allemal möglich.

Die erreichbare Höchstgeschwindigkeit von 228 km/h (laut Tacho) dient eh nur kurzen Zwischenspurts. Für diejenigen, die gerne jenseits der 200 km/h Marke über die Bahn powern, ist ein Naked-Bike eh nicht das richtige Gerät. Die Stärken und Vorzüge der Honda liegen in anderen Bereichen.

Das Highlight der Honda CB 1300 ist aber ohne Zweifel der Motor. Mit 1300 ccm Hubraum, 98 PS bei mehr als moderaten 7.500 U/min. und ein Drehmoment von 120 Nm (in Worten: einhundertundzwanzig!!) bei 5.000 U/min. tragen dafür Sorge, dass jederzeit genügend "Druck" vorhanden ist. Power in allen Lebenslagen (oder Drehzahlbereichen) ist wohl die treffendste Beschreibung. Bereits ab 1.000 U/min., also Leerlaufdrehzahl beschleunigt die CB ruckfrei und ohne auch nur im mindesten angestrengt zu wirken.

Getreu dem Motto "Schalten überflüssig" braucht das Fünfganggetriebe spätestens ab 50 km/h nicht mehr bemüht zu werden, obgleich das Schalten dank der leichtgängigen exakten Schaltung die reine Freude ist, wie man es von Honda gewöhnt ist. Das Durchzugsvermögen ist überwältigend und man mag kaum glauben, daß die Honda "nur" über 98 PS verfügt. Rein gefühlsmäßig glaubt man über deutlich mehr Leistung zu verfügen. So verführt einen die Honda auf der Bundesstraße immer wieder dazu bis 160 km/h zu beschleunigen, sich wieder auf 100 km/h zurückfallen zu lassen und wieder zu beschleunigen.

Das mehr als üppige Drehmoment und die enorme Durchzugsstärke der CB 1300 sind kaum in Worte zu fassen. Biker, denen fünfstellige Drehzahlen nicht behagen, die aber trotzdem nach reichlich Leistung dürsten, kommen an der Honda CB 1300 nur schwer vorbei. Über das gesamte Drehzahlband von 1.000 bis 8.500 U/min. gibt die Honda ihre Leistung gleichmäßig und in beeindruckender Weise ab. Der bärenstarke Motor der CB 1300, der auch in der Honda X 4 Verwendung findet ist darüber hinaus ein Vorbild an Laufruhe und Laufkultur. Er läuft fast so sanft wie eine Turbine.

Fast will man meinen nicht vier sondern sechs Kolben würden den Motor antreiben, derart laufruhig benimmt sich die Honda. Keinerlei auch noch so kleine Vibrationen sind wahrnehmbar. Auch das Kaltstartverhalten der Honda gibt zu keinerlei Kritik Anlass. Ein 273 Kilogramm schweres Motorrad sollte über eine leistungsstarke Bremsanlage verfügen, die in der Lage ist, Geschwindigkeit nachhaltig zu vernichten, sei es in Gefahrenmomenten oder nur beim Anbremsen sportlich angefahrener Kurven.

Auch hier bietet die CB keinerlei Ansatzpunkte für Kritik. Die vordere Doppelscheibenbremsanlage ist in Sachen Dosierbarkeit und Verzögerung einfach vorbildlich. Sportlich orientierte Fahrer würden sich eventuell einen noch exakteren Druckpunkt wünschen. Auch die hintere Einscheibenanlage funktioniert tadellos und unspektakulär.Die Ausstattung und die Verarbeitungsqualität sind Honda-typisch, was heißen soll auf einem hohen Niveau. Seien es die Schweißnähte am Rahmen oder die Lackqualität des Tanks, alle Verarbeitungsmerkmale verdienen sich höchstes Lob.

Lediglich die Halterungen der Auspufftöpfe sind ein wenig lieblos gemacht. Die Bedienelemente sind gewöhnungsfrei und die in Chrom gefassten Instrumente mit Tacho, Drehzahlmesser, digitaler Temperaturanzeige (auf Uhrzeit umschaltbar), Kilometerzähler (auf Tageskilometerzähler umschaltbar) und Kontrollleuchten (neue Rechtschreibung mit drei l!) liegen im Blickwinkel des Fahrers und sind auch bei Tageslicht hervorragend ablesbar.

Die in den Farben Rot-, Silber- und Orangemetallic lieferbare Honda CB 1300, die zum Preis von 17.900,- DM ausschließlich über den Parallelimport angeboten wird, ist mehr als nur eine Bereicherung des Naked-Bike-Marktes; sie hat dank ihres ausgewogenen und sehr guten Fahrwerkes, ihres phantastischen Motors und ihrer vorbildlichen Verarbeitungsqualität das Zeug dazu, Klassenbeste zu werden.

Welche Emotionen 1300 ccm Hubraum zu wecken vermögen, sollte jeder, der mit dem Gedanken spielt ein Naked-Bike zu erwerben, selbst anhand einer Probefahrt herausfinden. Jedenfalls ergeben ein phantastischer Motor, ausgezeichnete Bremsen und ein sehr gutes Fahrwerk eine Mischung, die zu überzeugen vermag - mich jedenfalls hat diese Mischung überzeugt. Warum die Honda CB 1300 bislang zumindest in unseren Regionen so selten anzutreffen ist, ist für mich daher unerklärlicher wie zuvor. Einer Grund dafür kann ich jedenfalls nicht ausmachen.

 

... Fahrbericht Honda CB 1300 Nr.3

 

 

Das erste Aufsitzen gelingt problemlos dank einer moderaten Sitzhöhe von 790 Millimetern.

Lediglich der breite Tank erinnert den Fahrer stets an die bulligen Ausmaße der Honda.

Der verchromte Rohrlenker rückte dem Fahrer um 28 Millimeter näher und liegt nun noch besser zur Hand.

Einen hübschen Anblick bieten die beiden ebenfalls verchromten Rundinstrumente.

Allerdings sollte die Bezifferung des Tachos etwas größer ausfallen - nicht nur für Kurzsichtige.

Doch genug der Sitzprobe, jetzt wird es Ernst: Zündschlüssel gedreht und E-Starter gedrückt. Der Koloss erwacht zum Leben.

Viermal 321 ccm Hubraum nehmen seidenweich ihre Arbeit auf. Ein sonorer Bass ertönt aus den Tiefen der beiden Auspuffrohre.

 Die erfreulich leichtgängige Kupplung lässt den ersten Gang mit einem vernehmlichen Klacken einrasten.

Schon ab Standgas nimmt die CB druckvoll Fahrt auf. Dass sie über üppiges Drehmoment selbst bei niedrigsten Touren verfügt, macht sich sofort bemerkbar.

Die Leistung froren die Honda-Techniker bei moderaten 100 PS ein, zugunsten von eindrucksvollen 120 Nm Drehmoment.

Trotz ihrer 269 Kilo lässt sich die Honda erfreulich einfach im Stadtverkehr bewegen.

 

 

Doch interessant wird es - wie jeder Motorradfahrer weiß - erst hinter dem Ortsausgangsschild.

Bummeltempo 70 im fünftem Gang auf der kurvigen Landstraße: Locker zieht die gewaltige Honda ihre Bahn und folgt willig dem Verlauf des Asphaltbandes.

Endlich ist das Tempolimit aufgehoben. Ein kleiner Dreh am Gasgriff genügt - zurückzuschalten erübrigt sich -,

 und der mächtige 1,3 l Motor katapultiert das Bike brachial und bedrohlich schnell auf die nächste Kurve zu.

 Der Pilot schickt ein Stoßgebet gen Himmel, dass die Bremsen dem Schwergewicht gewachsen sein mögen, und steigt heftig in die Eisen.

Doch selbstverständlich hat Honda hier vorgesorgt. Die Bremsanlage stammt vom Superbike SP-1 und ist folglich über jeden Zweifel erhaben.

Vier Kolben nehmen jede der beiden vorderen gelochten 310 mm-Scheiben in die Zange. Mühelos verzögern die Stopper das schwere Bike,

 so dass mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit in die Kurve eingelenkt wird. Beim Umlegen der Maschine fordert nicht allein das hohe Gewicht,

sondern auch die breite Bereifung ihren Tribut. Ein Gummi im 130er Format vorn und ein satter 190-mm-Pneu hinten wollen mit Nachdruck

aus der Vertikalen in Schräglage gebracht werden. Doch ist diese Tat erst einmal vollbracht, zieht die Honda stur und präzise wie ein Laser ihre Linie durch die Biegung. Allerdings bekam die Vorderradgabel der SF Federn der Marke "Extrahart" spendiert. Wenn die Pistenoberfläche bucklig oder gar löcherig wird,

 verteilt die Gabel derbe Schläge und malträtiert die Arme des Fahrers. Doch solange die Fahrbahn ebenbleibt, erlaubt die straffe Federung der CB 1300 SF erstaunliche Kurvengeschwindigkeiten, die sich hinter denen deutlich leichterer Maschinen nicht zu verstecken brauchen.

 

An der Schwinge arbeiten die beiden Federbeine tadellos. Komfortabel und mit gleichmäßig steigender Progression sorgen sie für Ruhe im Fahrwerk und beim Fahrer.

 Dank des Lenkkopfwinkels von 63 Grad und des Nachlaufs von 113 Millimetern in Verbindung mit dem breiten Lenker bereitet

 die Honda ihrem Reiter selbst in engen Ecken einen Höllenspaß. Das gängige Vorurteil, wonach solche Hubraumriesen wie die Honda auch reichlich Kraftfutter

 aus dem Tank saugen, kann die 1300er nicht bestätigen: Mit im Mittel 7,4 l Benzin auf 100Kilometer hält sich ihr Durst noch in akzeptablen Grenzen, wobei auch das verbesserte Exhaust-Air-Injection-System zum Spritsparen beiträgt